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Bahnhofsgefühle

Bahnhöfe haben zweifelsfrei eine gewisse Romantik an sich: Pärchen mit feuchten Augen, die sich vor Wiedersehensfreude in die Arme fallen, oder sich mit noch feuchteren Augen voneinander verabschieden. Familien mit Koffern beladen, die sich freudig erregt auf dem Weg in den Urlaub befinden, oder frustriert vom familiären Beisammensein zurückkehren. Menschen, die mit Aktenkoffer und Tageszeitung gerüstet den Bahnsteig entlang hasten, während sich andere entspannt mit einer Zigarette in der einen Hand und einem Kaffeebecher in der anderen auf der Bank sitzend keiner Hektik aussetzen, nur um einen Sitzplatz in dem ohnehin überfüllten Zug zu ergattern.                            Und mittendrin Menschen wie ich, die sich in Gedanken auf die Gleise begeben und sich im Regen dem vorbeifahrenden Güterzug entgegen neigen.                                                                                                                    In Gedanken nur. Und dabei belasse ich es für heute.

Als ich mich in den Zug begebe und mich zu dem restlichen gesellschaftlichen Mittelmaß des zweite-Klasse-Abteils geselle, komme ich nicht umhin, mich zu ärgern. Je genauer ich meine Mitmenschen beobachte, desto beneidenswert fremdartiger erscheinen sie mir: Das junge Paar, das ungehemmt Speichel austauscht. Die hässliche Frau, die neben ihrem noch hässlicheren Ehegatten sitzend ihr Glück gefunden zu haben glaubt. Die penetrant parfümierte Rentnerin, die in einen Schleier aus Ethanol und Lavendel gehüllt ihre Mitmenschen mit ihrer altersbedingt abnehmenden olfaktorischen Wahrnehmung straft. Die aufgewühlten Kinder, die sich scheinbar im Wettbewerb gegenseitig Stifte ins Haar stecken und augenscheinlich noch nicht den Ernst des Lebens begriffen haben. Mit all diesen Menschen würde ich gern tauschen. Sein wie sie. Fühlen wie sie. Ihnen nicht mehr ebenso fremdartig erscheinen, wie sie mir.       Doch ich bin nicht wie sie. Ich fühle mich zu höherem berufen, denn in kleinen Schritten werde ich die Welt verändern, Spuren hinterlassen, mir Daseinsberechtigung im gesellschaftlichen Gefüge und einen Platz in den Herzen meiner Mitmenschen verdienen. Ich werde Geschichte schreiben.              Koste es, was es wolle.

13.1.11 18:23
 


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