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Zoobesuch

Die folgende Anekdote aus meinem reichhaltigen Schaffen beschreibt, wie ich einmal einen Zoo besucht habe, ohne in den Zoo gegangen zu sein – den Berliner Bahnhof Zoo.

Da bei jedem Zoobesuch stets der Affenkäfig die Spitze meiner Präferenzliste anführt, steige ich zuerst in die U-Bahn und beobachte anthropomorphisierte Primaten dabei, wie sie sich an der kletterstangengleichen Reling  von Haltegriff zu Haltegriff schwingen und durch nahezu animalische Laute morgendlicher Berliner-Grantigkeit miteinander zu kommunizieren versuchen.  Hier verweile ich einen Moment und beobachte das wilde Gekeile um die Sitzplätze, steige dann aus, verlasse den Bahnhof und komme vor einer Kneipe zum Stehen. Ich betrachte das Hirschkopfsymbol auf dem über der Tür befestigten Schild und vernehme aus dem Inneren das laute Röhren brünftiger Elche. Ich muss am Wildgehege angekommen sein. So betrete ich die Bar und bin ganz vom wilden Treiben der zotteligen Kreaturen fasziniert, die sich darin aufhalten und komme auch nicht umhin, über die Ironie zu schmunzeln, als eines dieser Wesen einen „Jägermeister“ in seinem Rachen versenkt. Als nächstes Ziel habe ich das Fitnessstudio ins Auge gefasst. Der mir dort entgegenschlagende Gestank, sowie das Logo vieler Sportbekleidungsartikel weisen mich darauf hin, mich nun im Pumakäfig zu befinden. Im Kampf ums Überleben scheint hier die hierarchische Grundordnung des Stärkeren stark ausgeprägt, denn ich kann beobachten, wie drei Trainer in Pumatrikots ein fettes Nilpferd umzingeln und übers endlose Laufband hetzen, bis es vor Erschöpfung zusammenbricht. Mittlerweile ist draußen die Sonne untergegangen und erst jetzt scheint der Zoo zum Leben zu erwachen. So setze ich meine Stadtsafari fort und betrete einen Club. Im Inneren angekommen erfreue ich mich zunächst der vogelpavillonartigen Architektur und beobachte anschließend völlig fasziniert das Balzverhalten der darin befindlichen Weibchen, die ihren aufgeplusterten männlichen Artgenossen ins Ohr zwitschern. Gesprächsfetzen entnehme  ich, dass hier alles aufs „Vögeln“ hinauszulaufen scheint. Mittlerweile fühle ich mich aber erschöpft, begebe mich auf den Rückweg und steige in den nächstmöglichen Bus. Dabei komme ich nicht umhin, das knutschende Pärchen auf der hintersten Bank zu bemerken und beobachte, wie ihre jeweiligen Zungenlappen klebrig aufeinander klappen und dabei zusammen pappen, wie zwei große Kaulquappen, oder eher noch Aale, die in einen reißenden Strom geraten und sich im maritimen Speichelmeer ineinander verknoten. Angewidert vom Aalcatchen und der alten Dame, die auf dem Sitzplatz neben mir heftig vor sich hinottert , entschließe ich mich auszusteigen. Ziellos gehe ich nun die nahezu leere Straße entlang und komme vor der vielfältig beschrifteten Skulptur eines Berliner Bären zum Stehen.

Ich lese die mit schwarzem Edding draufgekrakelte Zeile „Berlin ist ein Zoo!“ und muss lächeln.

13.1.11 18:19
 


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